Zusammenfassung

Eine Kamera hält 15 Jahre, ein gutes Objektiv überlebt drei Bodys. Genau deshalb dreht sich der Gebrauchtmarkt für Foto-Equipment schneller als fast jede andere Kategorie. Das Problem für Hersteller: Die Marge aus diesem zweiten Leben kassiert gerade jemand anderes. Hier ist, warum Kameras für Resale gebaut sind und wie Marken sich den Markt zurückholen.

Kaum eine Produktkategorie eignet sich so gut für Resale wie Foto-Equipment. Kameras und Objektive sind langlebig, hochwertig und halten ihren Wert über Jahre. Trotzdem überlassen die meisten Hersteller den Gebrauchtmarkt komplett externen Plattformen. Dieser Artikel zeigt, wie groß der Markt für gebrauchte Kameras inzwischen ist, warum Foto-Equipment fast schon für Resale konstruiert wurde und wie ein markeneigenes Programm aussieht, das die Marge im Haus behält.

Gebrauchte Kameras und Objektive verschiedener Marken nebeneinander aufgereiht

Der Gebrauchtmarkt für Kameras ist groß, und er wächst stabil

Der weltweite Markt für gebrauchte Kameras und Objektive lag 2025 bei rund 9,2 Milliarden US-Dollar und soll bis 2035 auf 15,6 Milliarden wachsen, mit einer jährlichen Rate von 5,3 Prozent (GMInsights). Das ist kein Nischen-Phänomen mehr, sondern ein eigener, wachsender Absatzkanal.

Entscheidend ist die Zusammensetzung: Gebrauchte und Pre-Owned-Ware macht rund 68 Prozent dieses Marktes aus. Europa hält etwa 32 Prozent Marktanteil, also rund 2,5 Milliarden US-Dollar. Für Deutschland gibt es keine exakten offiziellen Zahlen, Schätzungen liegen im hohen dreistelligen Millionenbereich.

Fotograf:in begutachtet eine gebrauchte spiegellose Kamera

Wer kauft? Zu einem großen Teil Einsteiger:innen und Studierende, die mit gebrauchtem Equipment in die Fotografie starten. Genau diese Gruppe wird später zu Käufer:innen neuer Premium-Bodys. Der Gebrauchtmarkt ist damit kein Konkurrent zum Neugeschäft, sondern dessen Einstiegsstufe.

Foto-Equipment ist praktisch für Resale gebaut

Kameras erfüllen das wichtigste Resale-Kriterium fast lehrbuchhaft: Die Lebensdauer ist deutlich länger als die Nutzungsdauer durch eine:n Erstbesitzer:in. Ein Gehäuse funktioniert problemlos 10 bis 15 Jahre, ein gutes Objektiv überlebt locker drei Kameragenerationen und verliert dabei kaum an optischer Qualität.

Dazu kommt der Wert. Foto-Equipment liegt fast immer deutlich über der 250-Euro-Schwelle, ab der Refurbishment wirtschaftlich Sinn ergibt. Ein einzelnes Profi-Objektiv kostet neu schnell 1.500 bis 2.500 Euro und ist auch nach Jahren noch mehrere Hundert Euro wert. Das macht jede Wiederaufbereitung lohnend.

Und das Equipment ist modular. Bodys, Objektive, Blitze und Zubehör lassen sich einzeln prüfen, reinigen, kalibrieren und wieder in den Verkauf geben. Es gibt klare, etablierte Qualitätsstufen, an denen sich Käufer:innen orientieren. Wenige Kategorien sind so gut für ein strukturiertes Refurbishment-Programm geeignet. Das gilt übrigens genauso für die Audio-Kategorie, die denselben Mustern folgt.

Aktuell kassiert ein Dritter deine Marge

Hier liegt das eigentliche Problem für Hersteller. Der Gebrauchtmarkt für Kameras existiert längst, er läuft nur ohne die Marken. Plattformen wie MPB, KEH, rebuy oder Back Market haben das Feld besetzt.

Die Größenordnung macht ein Beispiel deutlich: MPB allein hat im Geschäftsjahr 2025 rund 615.000 Kameras, Objektive und Zubehörteile wieder in den Kreislauf gebracht, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Digital Camera World). Jede dieser Transaktionen ist Marge, Kundendaten und ein Markenkontakt, der nicht beim Hersteller landet, sondern bei einer Plattform.

Wer den Gebrauchtmarkt Dritten überlässt, gibt drei Dinge auf: die Kontrolle über die Preisgestaltung der eigenen Produkte, die Beziehung zur zweiten Käufergeneration und die Daten darüber, welche Modelle wie lange im Einsatz bleiben. Resale findet so oder so statt. Die einzige offene Frage ist, wer daran verdient.

Was Canon, Nikon und Fujifilm schon richtig machen

Einige Hersteller haben das erkannt. Canon betreibt einen der umfangreichsten herstellereigenen Refurbished-Stores für Kameras und Objektive. Nikon führt einen eigenen Refurbished-Outlet, Fujifilm verkauft generalüberholte Kameras und Objektive direkt über den eigenen Shop (Shutterbug).

Hände prüfen und reinigen eine Kamera bei der Refurbishment-Aufbereitung

Das Qualitätsargument ist dabei stärker, als viele denken: Refurbished-Ware aus Herstellerhand wird oft auf Reparatur-Service-Standard aufbereitet, der über dem reinen Fertigungsstandard liegt. Jedes Gerät durchläuft eine individuelle Prüfung. Eine markeneigene Aufbereitung ist damit kein Kompromiss, sondern teils sogar ein Qualitätsversprechen, das eine reine Drittplattform nicht geben kann.

Wie ernst Canon das Thema nimmt, zeigt sich an anderer Stelle: Im B2B-Druckergeschäft betreibt Canon seit über 25 Jahren eines der professionellsten Remanufacturing-Programme Europas, mit 90 Prozent wiederverwendeten Teilen und über 50.000 aufbereiteten Geräten. In unserem Gespräch im Reuse Playbook hat Thomas Wagner, Sustainability Manager DACH bei Canon EMEA, einen Punkt gemacht, der eins zu eins für Kameras gilt: Ohne Kontrolle über den Rücklauf gibt es kein skalierbares Reuse. Genau dieser Rücklauf, also der strukturierte Trade-In vom Kunden, ist die Stelle, an der die meisten Refurbished-Stores aufhören. Sie verkaufen aufbereitete Ware, organisieren aber den Rückkauf nicht aktiv.

Wie ein markeneigenes Resale-Programm für Kameras aussieht

Ein funktionierendes Programm schließt den Kreislauf vom Rückkauf bis zum Wiederverkauf, ohne dass die Marke die Kontrolle abgibt. Konkret braucht es vier Bausteine.

Erstens ein Trade-In-Portal in der eigenen Markenwelt, in dem Kund:innen ihr altes Equipment bewerten lassen und gegen einen Gutschein oder eine Auszahlung abgeben. Zweitens ein verlässliches Refurbishment, ob über eigene Partner oder bestehende Servicestrukturen. Drittens den Multi-Channel-Resale über die eigene Storefront und zusätzliche Kanäle wie refurbed oder eBay. Viertens ein Dashboard, das Conversion, Kosten und Margen sichtbar macht.

Genau das liefert koorvi als Resale-as-a-Service: die Software, die Aufbereitung und die Beratung in einem Paket. Die Marke behält die Kundenbeziehung, die Daten und die Marge. Der Gebrauchtmarkt, der heute ohnehin existiert, wird vom Margenverlust zum zweiten Umsatzkanal.

Foto-Equipment ist eine der saubersten Resale-Kategorien überhaupt: hochwertig, langlebig, modular und mit einem nachweislich wachsenden Markt. Die Frage für Hersteller ist nicht, ob ihre Kameras ein zweites Leben bekommen, sondern ob sie selbst daran verdienen. Wenn du wissen willst, wie ein markeneigenes Resale-Programm für deine Produkte konkret aussieht, lass uns sprechen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen gebrauchten und refurbished Kameras?

Eine gebrauchte Kamera wird im Ist-Zustand weiterverkauft, ohne dass jemand sie geprüft oder aufbereitet hat. Eine refurbished Kamera durchläuft eine professionelle Prüfung, Reinigung und Reparatur und kommt mit definierter Qualitätsstufe und meist mit Gewährleistung. Herstellereigene Refurbished-Ware wird oft auf Reparatur-Service-Standard aufbereitet, der über dem reinen Fertigungsstandard liegt.

Lohnt sich ein Resale-Programm für Kamerahersteller überhaupt?

Ja, weil der Gebrauchtmarkt ohnehin existiert und wächst. Rund 68 Prozent des weltweiten Kameramarkts entfallen auf gebrauchte und Pre-Owned-Ware, der Gesamtmarkt soll bis 2035 auf 15,6 Milliarden US-Dollar steigen. Ohne eigenes Programm fließt diese Marge an Drittplattformen statt an den Hersteller.

Warum eignen sich Kameras besonders gut für Resale?

Kameras und Objektive sind langlebig, hochwertig und modular. Ihre technische Lebensdauer übersteigt die Nutzungsdauer durch Erstbesitzer:innen deutlich, oft um das Doppelte oder mehr. Da Foto-Equipment fast immer über 250 Euro Neuwert liegt, lohnt sich die Wiederaufbereitung wirtschaftlich.

Wer kauft eigentlich gebrauchte Kameras?

Einen großen Teil machen Einsteiger:innen und Studierende aus, die mit bezahlbarem Equipment in die Fotografie starten. Genau diese Gruppe wird später häufig zu Käufer:innen neuer Premium-Modelle. Der Gebrauchtmarkt ist damit eher Einstiegskanal als Konkurrenz zum Neugeschäft.

Wie behält eine Marke beim Resale die Kontrolle über Preis und Kundenbeziehung?

Über ein markeneigenes Programm mit Trade-In-Portal, eigener Refurbishment-Struktur und einer eigenen Storefront. So bestimmt die Marke die Preisgestaltung, behält die Kundendaten und steuert das Markenerlebnis selbst. Resale-as-a-Service-Anbieter wie koorvi liefern dafür Software, Aufbereitung und Beratung als Paket, ohne dass die Marke die Wertschöpfung abgibt.