Zusammenfassung

Ob Verpackung, Elektrogeräte oder Batterien: Wer Produkte in Deutschland verkauft, muss Verantwortung für deren gesamte Lebensdauer übernehmen. Das schreibt die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) vor, und 2026 ändert sich einiges: das neue BattDG, die ElektroG4-Novelle und die beschlossene Textil-EPR der EU. In diesem Beitrag zeigen wir, was Unternehmen jetzt beachten müssen, wie die Registrierung funktioniert, welche Konsequenzen bei Verstößen drohen – und wie koorvi dabei hilft, gesetzliche Pflicht in ein zukunftsfähiges System zu verwandeln.
Digitale Illustration mit Deutschland- und EU-Flagge, einem Laptop und einem Versandkarton – Darstellung der EPR-Änderungen für Hersteller und Händler.
Update, Juni 2026: Seit dem 7. Oktober 2025 ersetzt das Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG) das alte BattG, und die EU hat die EPR-Pflicht für Textilien beschlossen (Umsetzung bis Juni 2027). Dieser Artikel ist auf dem aktuellen Stand.

Was bedeutet EPR konkret?

Die erweiterte Herstellerverantwortung – international bekannt als Extended Producer Responsibility (EPR) – ist ein regulatorischer Rahmen, der Unternehmen verpflichtet, sich nicht nur um die Herstellung und den Verkauf ihrer Produkte zu kümmern, sondern auch um deren Sammlung, Rücknahme, Wiederverwertung und fachgerechte Entsorgung. Das Ziel ist klar: Abfälle vermeiden, Recycling fördern, Ressourcen schonen.

In Deutschland wird EPR in verschiedenen Gesetzgebungen konkret umgesetzt, allen voran:

Diese Gesetze regeln, wie Unternehmen ihre Produkte nach Ende der Nutzungsdauer zurücknehmen, verwerten oder entsorgen müssen – samt Meldepflichten, Registrierungsanforderungen und finanzieller Beteiligung an der Entsorgungsinfrastruktur.

Auch der Textilbereich ist jetzt offiziell dran: Die Richtlinie (EU) 2025/1892 ist seit dem 16. Oktober 2025 in Kraft und führt erstmals eine verpflichtende EPR für Textilien und Schuhe in der EU ein. Die Mitgliedstaaten müssen sie bis zum 17. Juni 2027 umsetzen, funktionierende Systeme müssen spätestens am 17. April 2028 stehen. Deutschland erarbeitet derzeit das zugehörige Textilgesetz, Stellungnahmen sind bis zum 24. April 2026 möglich. Frankreich zeigt seit Jahren, wie Textil-EPR in der Praxis funktioniert. Für Mode- und Heimtextil-Brands ist jetzt das Fenster, Rücknahme-, Sortier- und Resale-Strukturen aufzubauen, bevor die Pflicht greift. Die Reform ist Teil einer größeren EU-Bewegung, zu der auch der kommende Circular Economy Act gehört.

Wer ist betroffen?

Die Antwort ist eindeutig: Alle Unternehmen, die Produkte auf den deutschen Markt bringen, die unter EPR-relevante Kategorien fallen. Das betrifft insbesondere:

  • Hersteller mit Sitz in Deutschland,
  • Importeure, die Waren nach Deutschland liefern,
  • Onlinehändler und Marktplatzanbieter, z. B. auf Amazon, eBay oder Zalando,
  • sowie Versender aus dem Ausland, die direkt an deutsche Verbraucher verkaufen.

Auch kleine Unternehmen und Start-ups sind nicht ausgenommen. Seit 2022 verlangen viele Plattformen wie Amazon einen EPR-Nachweis, um Verkäuferkonten freizuschalten. Die Einhaltung ist somit nicht nur gesetzlich, sondern auch wirtschaftlich relevant.

Was müssen Unternehmen tun, um EPR-konform zu sein?

Der Weg zur EPR-Compliance ist in der Regel klar strukturiert – aber mit Aufwand verbunden. Folgende Schritte sind notwendig:

1. Registrierung bei den zuständigen Behörden

Je nach Produktkategorie müssen sich Unternehmen bei verschiedenen Stellen registrieren:

  • Verpackungen: Zentrale Stelle Verpackungsregister (LUCID)
  • Elektrogeräte & Batterien: Stiftung EAR

Die Registrierung ist verpflichtend und Voraussetzung für den legalen Vertrieb. Wichtig seit dem BattDG: Batteriehersteller registrieren sich je Batteriekategorie und Marke. Die Umstellungsfrist für bestehende BattG-Registrierungen endete am 15. Januar 2026.

2. EPR-Nummer beantragen

Jede Produktkategorie (Verpackung, Elektro, Batterie) benötigt eine eigene Registrierungsnummer. Diese dient als offizieller Nachweis gegenüber Behörden, Plattformen und Partnern.

3. Produktmengen melden

Unternehmen müssen regelmäßig melden, welche Mengen sie in Verkehr bringen – aufgeschlüsselt nach Materialtyp, Gewicht und Verpackungsart bzw. Gerätekategorie.

4. Lizenzgebühren zahlen

Die Gebühren werden auf Basis der gemeldeten Mengen berechnet. Sie finanzieren die Abholung, Sortierung und Verwertung durch sogenannte Producer Responsibility Organizations (PROs).

5. Recyclingquoten erfüllen

Abhängig von der Produktgruppe gelten gesetzlich festgelegte Mindest-Recyclingquoten. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Rücknahme- und Verwertungssysteme diesen Anforderungen gerecht werden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur EPR-Compliance in Deutschland 2026 – mit Icons zu Registrierung, EPR-Nummer, Mengenmeldung, Lizenzgebühren und Recyclingzielen.
Schritt für Schritt: So wirst du 2026 der erweiterten Herstellerverantwortung gerecht.

Was passiert bei Verstößen?

Wer gegen EPR-Vorgaben verstößt, geht ein hohes Risiko ein. Die möglichen Folgen sind:

  • Verkaufsverbote in Deutschland, besonders auf Plattformen
  • Bußgelder von bis zu 200.000 Euro
  • Abmahnungen durch Wettbewerber nach dem UWG
  • Reputationsverlust, besonders in der Nachhaltigkeitskommunikation

Gerade Marktplätze wie Amazon und Zalando setzen EPR-Nachweise strikt voraus. Fehlt der Beleg, kann das Verkäuferkonto gesperrt werden – mit massiven wirtschaftlichen Folgen.

EPR als strategische Chance: Mehr als nur Compliance

Viele Unternehmen sehen EPR (noch) als rein regulatorische Pflicht. Doch es lohnt sich, die Perspektive zu wechseln:

  • Ein funktionierendes Rücknahmesystem kann zur Kundenbindung beitragen – z. B. durch Trade-In-Programme mit Gutschrift.
  • Durch die Rückführung entstehen Zweitverwertungsmodelle – etwa als Refurbished-Angebot.
  • Unternehmen erhalten mehr Kontrolle über ihre Produktkreisläufe, Datenflüsse und Materialströme.
  • Wer EPR konsequent umsetzt, kann sich sichtbar als nachhaltige Marke positionieren – und regulatorischen Druck in Marktvorteile umwandeln.

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Wie koorvi Unternehmen unterstützt

koorvi ist mehr als ein Tool zur Rücknahmeverwaltung – es ist deine Infrastruktur für EPR-fähige Geschäftsmodelle. Unsere Lösung hilft dir dabei, nicht nur gesetzeskonform zu handeln, sondern Prozesse effizient und kundenzentriert aufzusetzen:

  • Digitale Rücknahmeformulare mit Anbindung an CRM/ERP
  • Automatisierte Mengenmeldung & Gebührenberechnung
  • Tracking pro Produkt & Kategorie
  • Integration von Recycling-, Refurbishment- und Logistikpartnern
  • Behördengerechte Nachweise für EAR, LUCID, Marktplätze

Damit wird EPR nicht zur Hürde, sondern zum echten Wettbewerbsvorteil. Lass uns sprechen!

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet erweiterte Herstellerverantwortung (EPR)?

Die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) bedeutet, dass Hersteller auch nach dem Verkauf für ihre Produkte verantwortlich bleiben, inklusive Sammlung, Recycling und fachgerechter Entsorgung. In Deutschland ist EPR im Verpackungsgesetz (VerpackG), im ElektroG und im Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG) geregelt. Ziel ist es, Abfälle zu reduzieren und Materialkreisläufe zu schließen.

Was ändert sich 2026 bei der EPR in Deutschland?

Drei Dinge. Das BattDG hat am 7. Oktober 2025 das alte Batteriegesetz abgelöst, registriert wird seitdem je Batteriekategorie und Marke, die Umstellungsfrist für Alt-Registrierungen endete am 15. Januar 2026. Das ElektroG4 bringt ab dem 1. Juli 2026 neue Rücknahme- und Kennzeichnungspflichten. Und die EU hat die EPR-Pflicht für Textilien beschlossen, die Deutschland bis Juni 2027 umsetzen muss.

Brauche ich für jede Produktkategorie eine eigene EPR-Nummer?

Ja. Verpackungen registrierst du im Verpackungsregister LUCID, Elektrogeräte und Batterien bei der Stiftung EAR, und jede Kategorie bekommt eine eigene Registrierungsnummer. Seit dem BattDG registrieren Batteriehersteller je Batteriekategorie und Marke. Marktplätze wie Amazon prüfen die Nummern pro Kategorie, bevor Listings freigeschaltet werden.

Welche Folgen drohen bei Verstößen gegen die EPR-Vorgaben?

Es drohen Verkaufsverbote auf deutschen Marktplätzen, Bußgelder bis 200.000 Euro und Abmahnungen durch Wettbewerber nach dem UWG. Plattformen wie Amazon und Zalando sperren Angebote ohne gültigen EPR-Nachweis. Für Brands mit Nachhaltigkeitsanspruch wiegt der Reputationsschaden oft schwerer als das Bußgeld.

Kommt die EPR-Pflicht für Textilien?

Ja, sie ist bereits beschlossen. Die Richtlinie (EU) 2025/1892 ist seit dem 16. Oktober 2025 in Kraft und verpflichtet die Mitgliedstaaten, bis zum 17. Juni 2027 eine EPR für Textilien und Schuhe einzuführen, funktionierende Systeme müssen spätestens am 17. April 2028 stehen. Deutschland erarbeitet gerade das zugehörige Textilgesetz. Mode- und Heimtextil-Brands sollten Rücknahme- und Resale-Strukturen jetzt aufbauen, bevor die Pflicht greift.