Zusammenfassung

Am 27. September 2026 verschwinden Wörter wie „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ und „grün“ aus der europäischen Werbung. Nicht freiwillig, sondern per Gesetz, ohne Übergangsfrist und mit Bußgeldern bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes. Für die meisten Brands ist das ein Compliance-Problem. Für Brands mit Resale-Programm ist es ein Wettbewerbsvorteil, und der Grund dafür steckt im Kleingedruckten der Richtlinie.

Wenn deine Produktseiten, Verpackungen oder Kampagnen heute Begriffe wie „umweltfreundlich“, „nachhaltig“ oder „klimaneutral“ enthalten, hast du bis zum 27. September 2026 Zeit, das zu ändern. Dann gilt die EmpCo-Richtlinie der EU, und mit ihr ein weitreichendes Verbot pauschaler Umweltaussagen in der Kommunikation gegenüber Verbraucher:innen. Dieser Artikel zeigt, was konkret verboten wird, was erlaubt bleibt und warum ein Resale-Programm ab September die belastbarste Nachhaltigkeitsaussage ist, die eine Brand machen kann.

Nachhaltige Verpackung mit Öko-Label, Symbolbild für Umweltaussagen unter der EmpCo-Richtlinie 2026

Was die EmpCo-Richtlinie ist und ab wann sie gilt

Die EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers for the Green Transition, Richtlinie (EU) 2024/825) ist die Antwort der EU auf ein messbares Problem: In einer Untersuchung der EU-Kommission von 2020 waren 53,3 Prozent der geprüften Umweltaussagen vage, irreführend oder unbegründet, 40 Prozent komplett unbelegt (Norton Rose Fulbright). Die Richtlinie erweitert die Blacklist unzulässiger Geschäftspraktiken im Lauterkeitsrecht um zwölf neue Tatbestände, die meisten davon rund um Green Claims.

Die Termine sind fix: Bis zum 27. März 2026 mussten die Mitgliedstaaten die Richtlinie in nationales Recht umsetzen, in Deutschland passiert das über eine Novelle des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Ab dem 27. September 2026 gelten die neuen Regeln für alle B2C-Kommunikation, ohne Übergangsfrist (WBS Legal). Bei Verstößen drohen Abmahnungen, Unterlassungsklagen und Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes.

Wichtig für die Einordnung: Die Richtlinie greift überall dort, wo deine Marke mit Endkund:innen spricht. Produktseiten, Verpackung, Ads, Social Media, Newsletter. Wer als Hersteller oder Retailer in der EU verkauft, ist betroffen, unabhängig vom Firmensitz.

Diese Aussagen sind ab dem 27. September 2026 verboten

EU-Flaggen in Brüssel, Symbol für das EU-weite Greenwashing-Verbot ab September 2026

Die Blacklist trifft genau die Formulierungen, die heute auf gefühlt jeder zweiten Produktseite stehen (TÜV Rheinland):

  • Pauschale Umweltaussagen ohne anerkannten Nachweis. „Umweltfreundlich“, „öko“, „grün“, „naturfreundlich“, „biologisch abbaubar“: alles unzulässig, sofern keine anerkannte, exzellente Umweltleistung belegt ist.
  • Klimaneutralitäts-Claims auf Kompensationsbasis. Aussagen wie „klimaneutral“, „CO2-neutral“ oder „klimapositiv“ sind per se verboten, wenn sie auf CO2-Ausgleichsprojekten statt auf echten Reduktionen in der eigenen Wertschöpfungskette beruhen.
  • Selbst erfundene Nachhaltigkeitssiegel. Eigene Logos und Labels ohne behördliche Grundlage oder zertifiziertes System hinter dem Siegel sind unzulässig.
  • Vage Zukunftsversprechen. „Wir werden bis 2035 klimaneutral“ funktioniert nur noch mit öffentlich einsehbarem, extern verifiziertem Umsetzungsplan.

Der gemeinsame Nenner: Die EU verbietet nicht Nachhaltigkeit in der Werbung. Sie verbietet unbelegte Nachhaltigkeit in der Werbung. Das ist ein wichtiger Unterschied, und er entscheidet darüber, wer ab September gut dasteht.

Die Green Claims Directive ist weg. Das macht es nicht einfacher.

Viele verwechseln die EmpCo-Richtlinie mit der Green Claims Directive, die detaillierte Prüfverfahren für Umweltaussagen vorschreiben sollte. Die Green Claims Directive wurde 2025 von der Kommission zurückgezogen (Gasilov Group). Wer daraus Entwarnung abgeleitet hat, hat die Rechnung ohne EmpCo gemacht.

Denn das Ergebnis ist nicht weniger Regulierung, sondern weniger Klarheit. Die Verbote aus EmpCo gelten trotzdem, nur fehlt jetzt das standardisierte Verfahren, mit dem Unternehmen ihre Claims hätten zertifizieren lassen können. Übrig bleibt eine einfache Faustregel der Wettbewerbsrechtler: Je pauschaler die Aussage, desto höher das Risiko. Je konkreter und belegbarer, desto sicherer.

Für dich heißt das: Der sicherste Weg durch die neue Rechtslage führt nicht über bessere Formulierungen, sondern über bessere Belege.

Was erlaubt bleibt: konkrete, messbare, produktbezogene Aussagen

Die gute Nachricht: Spezifische und nachweisbare Aussagen bleiben zulässig. „Dieses Gehäuse besteht zu 70 Prozent aus recyceltem Aluminium“ funktioniert auch nach September 2026, wenn du die 70 Prozent belegen kannst. „Wir haben 2026 über 3.000 Produkte refurbished und wiederverkauft“ ebenso. Verboten ist das Etikett, nicht der Fakt.

Genau hier kippt das Thema von Marketing zu Operations. Eine konkrete Zahl kann sich kein Werbetexter ausdenken, sie muss aus einem realen Prozess kommen: aus der Produktion, aus der Lieferkette, oder aus dem zweiten Leben der Produkte. Brands, die solche Prozesse haben, müssen ihre Kommunikation nur umformulieren. Brands, die keine haben, haben ab September schlicht nichts Legales mehr zu sagen.

Wie man Circularity glaubwürdig kommuniziert, haben wir grundsätzlich schon in diesem Guide aufgeschrieben. EmpCo macht aus dieser Kür jetzt Pflicht.

Warum Resale die belastbarste Nachhaltigkeitsaussage ist, die eine Brand machen kann

Techniker prüft ein Produkt beim Refurbishment, dokumentierte Aufbereitung als belegbarer Nachhaltigkeitsnachweis

Ein Resale-Programm produziert als Nebenprodukt genau das, was die EmpCo-Richtlinie verlangt: konkrete, produktbezogene, dokumentierte Fakten. Jeder Trade-In, jedes refurbishte Produkt und jeder Wiederverkauf ist ein Datenpunkt, der sich belegen lässt. Statt „wir sind nachhaltig“ sagst du: „2.400 Kinderwagen haben über unser Trade-In-Programm ein zweites Leben bekommen, Stand: Q2 2026.“

Solche Aussagen sind nicht nur rechtssicher, sie sind auch glaubwürdiger. Eine vermiedene Neuproduktion ist eine reale, physische Einsparung und kein gekauftes Zertifikat aus einem Kompensationsprojekt. Während Wettbewerber ihre „klimaneutral“-Badges von den Verpackungen kratzen, kann eine Brand mit Resale-Programm ihre Nachhaltigkeitskommunikation sogar ausbauen, mit Zahlen statt Adjektiven.

Damit das funktioniert, müssen die Zahlen allerdings sauber erfasst sein. Genau dafür liefert koorvi als Resale-as-a-Service die Infrastruktur: ein Trade-In-Portal in deiner Markenwelt, Refurbishment über unsere oder deine bestehenden Partner und ein Dashboard, das jede Rücknahme, jede Aufbereitung und jeden Wiederverkauf dokumentiert. Aus dem Dashboard, das eigentlich Conversion, Kosten und Margen steuert, wird nebenbei dein Beleg-Archiv für jede Umweltaussage. Was Branded Resale strategisch ohnehin bringt, bekommt mit EmpCo eine zweite Funktion: Compliance.

Übrigens reiht sich EmpCo in ein größeres Muster ein. Right to Repair verpflichtet zur Reparatur, die ESPR bringt den Digitalen Produktpass, und der Vorschlag für den EU Circular Economy Act kommt im dritten Quartal 2026 (Europäisches Parlament). Die Richtung ist eindeutig: Die EU belohnt Brands, die Circularity operativ betreiben, und bestraft Brands, die sie nur behaupten.

Was du bis September 2026 konkret tun solltest

Drei Schritte, in dieser Reihenfolge. Erstens: Audit. Geh alle Verbraucher-Touchpoints durch (Produktseiten, Verpackung, Ads, Social) und liste jede Umweltaussage auf. Alles Pauschale fliegt raus oder bekommt einen Beleg. Zweitens: Belege bauen. Prüfe, welche konkreten, messbaren Nachhaltigkeitsfakten dein Unternehmen heute schon produziert, und wo Daten fehlen. Drittens: Operations aufbauen, die belegbare Fakten erzeugen, statt Formulierungen zu suchen, die gerade noch durchgehen.

Die EmpCo-Richtlinie beendet die Ära, in der Nachhaltigkeit ein Text-Baustein war. Ab dem 27. September 2026 ist sie ein Nachweis-Thema, und Nachweise entstehen in den Operations, nicht im Marketing. Ein Resale-Programm ist einer der schnellsten Wege, aus echter Circularity echte, rechtssichere Kommunikation zu machen. Willst du wissen, welche belegbaren Zahlen ein Resale-Programm für deine Brand produzieren würde? Lass uns kurz sprechen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die EmpCo-Richtlinie?

Die EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers for the Green Transition, Richtlinie (EU) 2024/825) ist eine EU-Richtlinie gegen Greenwashing und für besseren Verbraucherschutz beim grünen Wandel. Sie verbietet pauschale Umweltaussagen ohne Nachweis, kompensationsbasierte Klimaneutralitäts-Claims und selbst erfundene Nachhaltigkeitssiegel. In Deutschland wird sie über eine Novelle des UWG umgesetzt und gilt ab dem 27. September 2026.

Welche Werbeaussagen sind ab dem 27. September 2026 verboten?

Verboten sind pauschale Begriffe wie „umweltfreundlich“, „öko“, „grün“, „nachhaltig“ oder „biologisch abbaubar“, wenn keine anerkannte, exzellente Umweltleistung nachgewiesen ist. Ebenfalls unzulässig: Klimaneutralitäts-Aussagen, die nur auf CO2-Kompensation beruhen, Nachhaltigkeitssiegel ohne zertifiziertes System dahinter und vage Zukunftsversprechen ohne verifizierten Umsetzungsplan.

Darf ich mein Produkt noch als klimaneutral bewerben?

In den meisten Fällen nicht. Aussagen wie „klimaneutral“, „CO2-neutral“ oder „klimapositiv“ sind ab dem 27. September 2026 per se unzulässig, wenn sie auf CO2-Ausgleichsprojekten statt auf tatsächlichen Emissionsreduktionen in der eigenen Wertschöpfungskette beruhen. Da fast alle Klimaneutralitäts-Claims auf Kompensation basieren, verschwindet der Begriff praktisch aus der Produktwerbung.

Welche Strafen drohen bei Verstößen gegen das Greenwashing-Verbot?

Verstöße sind unlautere Geschäftspraktiken nach dem UWG. Es drohen Abmahnungen durch Wettbewerber und Verbände, Unterlassungsklagen sowie Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes. Eine Übergangsfrist gibt es nicht, die Regeln gelten ab dem Stichtag für alle Verbraucher-Touchpoints.

Welche Nachhaltigkeitsaussagen bleiben nach der EmpCo-Richtlinie erlaubt?

Erlaubt bleiben konkrete, messbare und belegbare Aussagen, zum Beispiel zu Recyclinganteilen, dokumentierten Reparatur- und Wiederverkaufszahlen oder geprüften Einsparungen. Ein Resale-Programm ist dafür eine der stärksten Quellen, weil jeder Trade-In, jedes Refurbishment und jeder Wiederverkauf einen dokumentierten, produktbezogenen Fakt erzeugt, den eine Brand rechtssicher kommunizieren kann.