Zusammenfassung

Das erneute Wachstum im E-Commerce verändert die Marktlogik grundlegend. Steigende Verkaufsvolumina erhöhen nicht nur den Umsatz, sondern auch Retouren, Preisdruck und ungenutzte Warenströme nach dem Erstverkauf. Re-Commerce wird dadurch von einer ergänzenden Maßnahme zu einem strategischen Muss. Der Artikel zeigt, warum der Zweitmarkt zum zentralen Hebel für Margenstabilität, Kundenbindung und Markenwert wird – und wie Unternehmen durch kontrollierte Resale- und Trade-in-Modelle Wertverluste vermeiden und neue Erlöse erschließen.

Zum ersten Mal seit 2021 wächst E-Commerce in allen Quartalen. Marktplätze gewinnen weiter, Re-Commerce explodiert mit +21,8 %. Für Marken heißt das: Mehr Volumen, mehr Rückläufer, mehr ungenutzter Wert oder eine neue Umsatzquelle, wenn sie aktiv gesteuert wird.

Eine Computertastatur mit einem Einkaufswagensymbol.

Wie Wachstum im E-Commerce zur Umstrukturierung führt

Der Onlinehandel kehrt auf einen klaren Wachstumspfad zurück.  Der Warenumsatz steigt auf 83,1 Mrd. €, ein Plus von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr. Dieses Wachstum wird nicht von einzelnen Ausreißern getragen, sondern von stabileren Fundamenten. Vielkäufer bleiben aktiv, der durchschnittliche Bestellwert steigt leicht, und digitale Services wachsen mit +7,3 % deutlich schneller als der Warenhandel. Für Marken und Händler ist das ein wichtiges Signal: Der Markt ist nicht gesättigt, sondern reorganisiert sich. Wachstum entsteht dort, wo Prozesse skalieren, Sortimente breiter werden und internationale Anbieter den Takt erhöhen. Genau das erklärt auch, warum der Onlinehandel zwar wächst, die Komplexität und die Nebenwirkungen aber ebenfalls zunehmen. Denn mit jedem zusätzlichen Onlineverkauf wächst nicht nur der Umsatz, sondern auch das Volumen an Rückläufern, B-Stock und Zweitware. Das Wachstum des E-Commerce ist damit nicht nur ein Nachfrage-, sondern vor allem ein Strukturthema, mit direkten Konsequenzen für Kosten, Margen und den Zweitmarkt.

Was gerade im Markt passiert

Marktplätze gewinnen Kontrolle geht verloren

Online-Marktplätze wachsen deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Besonders Plattformen chinesischer Herkunft wie Shein, Temu und AliExpress legen zweistellig zu und gewinnen weiter an Reichweite und Volumen.Der Grund ist kein Geheimnis. Extrem niedrige Preise, hohe Umschlaggeschwindigkeit und minimale Markenbindung. Kaufentscheidungen werden austauschbar, Loyalität zweitrangig. Der Markt verschiebt sich von Markenwert zu Transaktionslogik. Das erschließen sich zwei Folgen: Erstens steigt der Preisdruck im Erstmarkt weiter. Zweitens wächst das Volumen an Produkten, die nach der ersten Nutzung im System verbleiben. Diese Ware findet ihren Weg in den Zweitmarkt,organisiert von Plattformen, nicht von Marken.

Re-Commerce wächst schneller als der Erstverkauf

Der gewerbliche Handel mit gebrauchten Waren wächst rund siebenmal schneller als der klassische E-Commerce. Das ist weniger eine Frage von Ideologie als von Effizienz. Gebrauchte Produkte sind günstiger, schnell verfügbar und in vielen Kategorien qualitativ ausreichend. Für viele Kund:innen zählt die Funktion, nicht die Tatsache, dass ein Produkt neu ist.

Wie Re-Commerce zum Margenpuffer im Preiskampf wird

E-Commerce-Wachstum steigert das Volumen, erhöht aber auch den Preisdruck im Erstmarkt. Marktplätze, Promotions und internationale Anbieter setzen Preise und drücken die Marge pro Einheit. Re-Commerce wirkt dem entgegen als zweite Marge. Die Ware ist bereits bezahlt, Marketingkosten sind gering, und die Preislogik ist flexibler als im Neugeschäft. So entsteht zusätzlicher Ertrag dort, wo der Erstverkauf an Grenzen stößt. Der Outcome sind: Stabilere Bruttomargen trotz sinkender Erstverkaufspreise.

Ein Warenhaus in dem Pakete stehen

Rückläufer werden vom Kostenblock zum Umsatzkanal

Retouren steigen proportional mit dem Onlinevolumen und sind im klassischen Modell vor allem eines: ein Kostenblock. Logistik, Qualitätsprüfung und Abschreibungen belasten die Marge, ohne zusätzlichen Umsatz zu erzeugen. Im Re-Commerce ändert sich diese Logik. Rückläufer werden systematisch bewertet, gezielt aufbereitet und erneut in den Verkauf gebracht – statt sie abzuschreiben oder über Drittkanäle zu verramschen. So wird aus einem operativen Verlustposten ein kalkulierbarer Umsatzstrom. Das führt zu geringeren Abschreibungen und zusätzlichem Umsatz. ohne Neuproduktion.

Re-Commerce schafft wiederkehrende Touchpoints

Der Erstverkauf ist in vielen Kategorien ein Einmalereignis. Danach reißt der Kontakt ab, obwohl das Produkt weiter im Einsatz ist. Re-Commerce verlängert diese Beziehung gezielt. Buy-back-, Trade-in- oder Second-Life-Angebote schaffen konkrete Anlässe, um Kund:innen aktiv zurückzuholen. So entstehen wiederkehrende Touchpoints entlang des Produktlebenszyklus, nicht über Rabatte, sondern über Relevanz. Das Unternehmen profitiert mit höheren Wiederverkaufsraten, besserem Customer Lifetime Value und geringeren Akquisekosten.

Kontrolle über Preis, Marke und Zweitmarkt

Wenn Marken Re-Commerce nicht selbst steuern, füllen Plattformen oder Drittanbieter diese Lücke. Der Wiederverkauf findet dann außerhalb der eigenen Systeme statt mit unklaren Qualitätsstufen, uneinheitlichen Preisen und wenig Rücksicht auf die Markenwirkung. Eigener Re-Commerce dreht diese Logik um. Klare Bewertungsstandards, transparente Preislogiken und eine markenkonforme Präsentation sorgen dafür, dass auch im Zweitmarkt Kontrolle und Vertrauen erhalten bleiben. Der Benefit: Markenschutz im Zweitmarkt und langfristige Wertstabilität.

Warum E-Commerce-Wachstum automatisch Re-Commerce erzeugt

Mehr Erstverkäufe erzeugen automatisch mehr Second-Life-Potenzial. Das ist kein Trend, sondern eine Kettenreaktion.

Mehr Volumen → mehr Rückläufer: Selbst bei stabilen Retourenquoten wächst die absolute Menge. Jeder Rückläufer ist entweder ein Kostenblock – oder ein Produkt mit Zweitwert.

Höhere Bestellwerte → höherer Wiederverkaufswert: Der durchschnittliche Warenkorb steigt auf 146,19 €. Das verbessert die Economics von Refurbishment und Wiederverkauf deutlich.

Stabile Vielkäufer → planbare Zweitnachfrage: Jeder dritte Onlinekunde kauft mehrfach pro Woche. Diese Käufer akzeptieren Re-Commerce, wenn Qualität, Preis und Convenience stimmen.

Wachstum im E-Commerce macht Re-Commerce nicht optional, sondern wirtschaftlich zwingend.

Praktisches Playbook: So nutzt du das Momentum

  • Sortiere systematisch
    Trenne A-Ware, B-Stock, Rückläufer und Gebrauchtware früh. Mischbestände töten Marge.
  • Bewerte standardisiert
    Gleiche Kriterien, gleiche Grades, gleiche Preise. Skalierung schlägt Einzelfalllogik.
  • Refurbishe selektiv
    Nicht alles lohnt sich. Fokus auf Produkte mit Haltbarkeit, Markenwert und klarer Zweitnachfrage.
  • Schließe den Kreislauf
    Buy-back, Voucher, Trade-in. Jeder Zweitverkauf kann den nächsten Erstverkauf vorbereiten.

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Häufig gestellte Fragen

Warum wächst Re-Commerce schneller als E-Commerce?

Angebot und Nachfrage im Re-Commerce wachsen gleichzeitig. Mehr Onlineverkäufe erzeugen automatisch mehr Zweitware, während steigendes Preisbewusstsein die Nachfrage nach gebrauchten Produkten verstärkt.

Ist Re-Commerce nur ein Nachhaltigkeitsthema?

Nein. Re-Commerce ist in erster Linie ein Margen- und Umsatzthema. Er erschließt zusätzliche Erlöse aus bereits produzierter Ware, senkt Abschreibungen und stabilisiert die Wirtschaftlichkeit bei wachsendem Preisdruck im Erstmarkt.Der Nachhaltigkeitseffekt ist real und relevant, aber er ist die Folge, nicht der Auslöser. Weniger Neuproduktion, längere Nutzungszyklen und geringerer Ressourceneinsatz verbessern die Umweltbilanz messbar. Gleichzeitig stärkt das Vertrauen bei preissensiblen und werteorientierten Kund:innen.

Für welche Kategorien lohnt sich Re-Commerce besonders?

Re-Commerce funktioniert überall dort, wo Produkte langlebig sind, einen stabilen Wiederverkaufswert haben und Vertrauen in die Marke besteht. Besonders geeignet sind Kategorien wie Mode, Elektronik, Haushaltsgeräte, Möbel und Kinderartikel. Gemeinsam ist diesen Segmenten, dass Nutzungsspuren akzeptiert werden, die Funktion im Vordergrund steht und Käufer:innen bereit sind, für geprüfte Qualität auch bei Second-Life-Ware zu zahlen. Zusätzlich gibt es häufig natürliche Upgrade-Zyklen, die Rückläufer und Zweitverkäufe planbar machen.

Brauche ich dafür einen eigenen Shop?

Ein eigener Shop ist nicht zwingend erforderlich. Entscheidend ist jedoch eine eigene Oberfläche, über die Preisgestaltung, Markeninszenierung und Kundendaten gesteuert werden. Ohne sie gibst du einen wesentlichen Teil der Wertschöpfung aus der Hand.

Ab welcher Größe lohnt sich Re-Commerce?

Re-Commerce lohnt sich, sobald regelmäßig Rückläufer, B-Stock oder gebrauchte Ware anfallen. Bereits kleine Volumina können wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn Prozesse sauber strukturiert sind. Mit wachsendem E-Commerce skaliert der Effekt deutlich, weil mehr Ware und planbarere Nachfrage zusammenkommen.