Zusammenfassung

Vinted ist €8 Milliarden wert. Der Resale deiner Produkte läuft bereits. Die Frage ist nicht, ob du mitmachst. Die Frage ist, wer die Infrastruktur kontrolliert.

Vinted hat Anfang 2026 eine Sekundärtransaktion über 880 Millionen Euro abgeschlossen. Bewertung: 8 Milliarden Euro. GMV FY2025: 10,8 Milliarden Euro, plus 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Umsatz: über eine Milliarde Euro. (Retail Gazette, Apr. 2026; Vinted Newsroom FY2025)

Das ist keine Nische mehr.

Aber die interessantere Frage ist nicht, wie groß Vinted ist. Die Frage ist: Wer kontrolliert gerade den Resale deiner Produkte? Für die meisten Brands ist die ehrliche Antwort: jemand anderes.

Eine Recommerce Strategie ist kein Zukunftsprojekt. Sie ist eine Entscheidung, die Marge, Kundenbindung und Markenkontrolle direkt betrifft, und zwar jetzt.

Frau auf Sofa hält Kleidungsstück und schaut auf ihr Smartphone – symbolisiert Secondhand-Shopping und den Resale-Boom

Was der Vinted-Boom über den Markt sagt, und was er über Deutschland noch nicht sagt

Dass Vinted groß ist, wissen die meisten. Wie strukturell dieser Markt ist, zeigt sich am deutlichsten in Frankreich.

Dort liegt der Secondhand-Anteil am gesamten Bekleidungsumsatz bei 10,9 Prozent, bei 18- bis 34-Jährigen bereits bei 16,3 Prozent. Vinted ist in Frankreich nicht mehr nur der bekannteste Secondhand-Marktplatz. Das Unternehmen ist nach Umsatz der größte Modehändler des Landes: vor Amazon, vor Kiabi, vor Temu und Shein. (FashionUnited, Mai 2025)

Wie ist das passiert? Konsequentes Wachstum in einem Segment, das Brands jahrelang links liegen gelassen haben. 2024 steigerte Vinted den Umsatz um 36 Prozent und den Gewinn um 330 Prozent. (Absatzwirtschaft, Jun. 2025) Das Kapital fließt jetzt in neue Kategorien: Elektronik, Möbel, Sport.

Deutschland ist Frankreich ungefähr drei bis vier Jahre hinterher. Der heimische Recommerce-Markt lag 2024 bei 9,9 Milliarden Euro und wächst mit 7,2 Prozent pro Jahr. (bevh / Statista, 2025) Frankreich war an diesem Punkt auch schon. Dann machte Secondhand plötzlich fast elf Prozent des gesamten Modeumsatzes aus.

Der Unterschied zwischen beiden Märkten ist kein struktureller, sondern ein zeitlicher. Was Paris bereits erlebt hat, kommt für Hamburg, München und Köln jetzt. Und Vinted expandiert bereits in die Kategorien, in denen deutsche Brands noch sagen: „Resale ist für uns noch kein Thema.“

Was auf dem Spiel steht, wenn Vinted in deine Kategorie kommt

Die meisten Brands beobachten Vinted von der Seitenlinie. Das ist das Problem.

Denn Vinted baut eine direkte Beziehung zu den Käufern auf, die eigentlich deine Produkte kaufen. Wer eine refurbishte Kaffeemaschine oder einen gebrauchten Kinderwagen auf Vinted kauft, erfährt nichts über deine Qualitätsstandards, dein Grading, deine Garantie. Er sieht einen Gebrauchtpreis, einen privaten Verkäufer und ein Vinted-Logo. Deine Brand ist unsichtbar.

Das ist kein symbolisches Problem. Es ist ein konkretes Reputations- und Margenproblem.

Preiskontrolle. Wenn deine Produkte unkontrolliert auf Drittplattformen landen, setzt du implizit Referenzpreise für dein Sortiment, die du nie abgesegnet hast. Günstige Gebrauchtpreise auf Vinted drücken die Zahlungsbereitschaft für neue Produkte.

Kundendaten. Jeder Secondhand-Kauf deines Produkts auf Vinted ist ein Kundenkontakt, den du verlierst. Du weißt nicht, wer gekauft hat, zu welchem Preis und in welchem Zustand das Produkt war.

Marge. Brands, die eigene Recommerce-Programme aufgebaut haben, recovern laut INDEED Innovation (Apr. 2026) 15 bis 30 Prozent des Produktwerts durch den Resale-Kanal. Dieser Wert geht im Moment an Drittmärkte.

Branded Resale löst genau das: Der Resale-Kanal läuft unter deinem Namen, mit deinem Grading, deinen Preisen, deiner Kommunikation.

Warum der richtige Moment für eine eigene Recommerce Strategie jetzt ist

Nicht weil Vinted morgen alles übernimmt. Sondern weil jedes Jahr ohne eigenen Kanal bedeutet: Secondhand-Käufer handeln deine Produkte trotzdem, nur eben woanders. Der Secondhand-Markt entsteht nicht durch eine Brand-Entscheidung. Er existiert unabhängig davon.

Was eine eigene Recommerce Strategie konkret bringt:

Trade-In Programm. Du entscheidest, zu welchem Preis du Produkte zurücknimmst, in welchem Zustand sie aufbereitet werden und welche Kanäle sie beliefern. Kein Drittanbieter, der die Marge abzieht. Mit einem automatisierten Trade-In Programm sinken die Prozesskosten pro Fall gegenüber einem manuellen Setup erheblich, weil Gutscheinauszahlung, Versand-Trigger und Grading-Workflow ohne manuelle Eingriffe laufen.

Eigener Resale-Kanal. Statt anonym auf Vinted zu landen, kauft der nächste Kunde das Produkt über deine Storefront, mit deiner Qualitätssicherung, deinem Branding und deinen Kundendaten. Aus einem anonymen Gebrauchtobjekt wird ein refurbished Produkt mit Herkunftsnachweis.

Kontrolle über den Preis. Wer Resale Programm aufbauen will, baut gleichzeitig einen Mechanismus, der Referenzpreise im Markt setzt, statt ihnen ausgesetzt zu sein.

Der entscheidende Unterschied zu einem Marktplatz: Vinted optimiert auf eigenen GMV. Dein Resale-Programm optimiert auf deine Marge, deine Kundenbindung, deine Marke.

Wie ein Resale-Programm in 90 Tagen aussieht

Das klingt nach einem langen Projekt. Es muss keins sein.

koorvi setzt Resale-Programme in Phasen auf. Erst Trade-In und Grading, dann Storefront-Launch, dann Skalierung über refurbed, eBay oder eigene Kanäle. In 90 Tagen steht eine funktionierende Grundstruktur, kein vollständiges Programm, aber ein belastbarer Start mit echten Zahlen.

Was du mitbringst: deine Produkte, deine Brand. Was wir mitbringen: Software, Refurbishment-Partner, Betrieb.

Kurz mit uns sprechen und sehen, wie das für deine Kategorie aussieht.

Häufig gestellte Fragen

Für welche Produktkategorien lohnt sich ein Recommerce-Programm?

Grundsätzlich für alle Produkte, bei denen die Lebensdauer länger ist als die Nutzungsdauer durch eine:n Erstkäufer:in, und bei denen der Neuwert hoch genug ist, damit Refurbishment wirtschaftlich Sinn ergibt. Ab ca. 250 Euro Neuwert aufwärts ist Recommerce in der Regel rentabel. Typische Kategorien: Kinderausstattung, Werkzeug, Küchengeräte, Haushaltsgeräte, Musikinstrumente, Niche Tech.

Was ist der Unterschied zwischen einem eigenen Resale-Kanal und einer Plattform wie Vinted?

Auf Vinted verkaufen private Nutzer, nicht du. Das bedeutet: kein Einfluss auf Preis, Produktzustand, Kundenkommunikation oder Markenauftritt. Ein eigener Resale-Kanal läuft unter deinem Branding, mit definierten Grading-Standards und deinen Kundendaten. Du bestimmst, was ein refurbished Produkt bei dir bedeutet, und du profitierst von jedem Wiederverkauf, statt ihn an eine Drittplattform abzugeben.

Brauche ich eigene Lagerkapazitäten für ein Trade-In Programm?

Nicht zwingend. Die Logistik für Rücknahme, Grading und Refurbishment lässt sich über Partner abwickeln, entweder über bestehende Partner der Brand oder über spezialisierte Dienstleister. Entscheidend ist, dass die Prozesse klar definiert sind: wer was prüft, wer entscheidet, was mit welchem Produktzustand passiert, und wie Gutscheine und Versand-Trigger ausgelöst werden.

Was kostet es, ein Resale-Programm aufzubauen?

Das hängt stark vom Setup ab: Volumen, Kategorie, vorhandene Logistik-Infrastruktur und gewünschter Automatisierungsgrad. Ein manuelles Trade-In Programm kostet pro Fall mehr als ein automatisiertes Setup, weil jeder Schritt Personalzeit kostet. Die Anlaufkosten für ein professionelles Setup amortisieren sich in der Regel über den Volumenzuwachs.

Wie schnell sieht man erste Ergebnisse?

Mit einem strukturierten Ansatz steht in 90 Tagen eine funktionierende Grundstruktur: Trade-In läuft, erste Produkte werden aufbereitet und weiterverkauft, Prozesskosten und Recovery-Rate sind messbar. Das ist kein vollständig skaliertes Programm, aber genug, um zu sehen, ob das Modell für deine Kategorie trägt.