Zusammenfassung

Wir ersetzen Dinge zu früh
Hand aufs Herz: Es fühlt sich so an, als würden Produkte heute nicht mehr lange halten. Und das ist nicht nur ein Gefühl. In ganz Europa würden die meisten Menschen lieber reparieren als neu kaufen – doch sie tun es trotzdem. Nicht, weil sie wollen, sondern weil sie kaum eine andere Wahl haben.
Reparaturen sind teuer. Ersatzteile sind schwer zu bekommen. Viele Geräte lassen sich gar nicht erst öffnen, geschweige denn aufrüsten. Gleichzeitig vermittelt Werbung permanent das Gefühl, dass „neu“ gleich „besser“ ist. Das Ergebnis: funktionsfähige Produkte landen auf dem Müll – und werden durch neue ersetzt. Immer und immer wieder.
Doch dieser Kreislauf hat einen Preis. Und der bleibt meist unsichtbar.
Die wahren Klimakosten entstehen in der Produktion
Wenn wir über Emissionen sprechen, denken wir oft an den Stromverbrauch während der Nutzung. Doch bei vielen Geräten und Haushaltsprodukten entsteht der Großteil der CO₂-Emissionen vor dem ersten Einschalten.
Laut dem Coolproducts-Report des European Environmental Bureau stammen bei Smartphones bis zu 92 % der Emissionen aus Herstellung, Transport und Entsorgung. Bei Laptops liegt der Anteil zwischen 40 und 64 %. Selbst bei Waschmaschinen, die als typische Stromfresser gelten, entstehen bis zur Hälfte der Emissionen in der Herstellung und Logistik.
Und je effizienter Geräte im Betrieb werden, desto größer wird der Einfluss dieser „nicht-nutzungsbezogenen“ Phasen. Denn wenn der Stromverbrauch sinkt, zählen die Produktionskosten in CO₂ umso mehr.
Wie lange sollte ein Produkt eigentlich halten?
Wenn wir die Emissionen, die in der Herstellung eines Produkts stecken, wirklich rechtfertigen wollen, dann müssen wir es lange genug nutzen. Und was „lange genug“ bedeutet, ist oft überraschend – oder sogar schockierend.
Nehmen wir Smartphones. Die meisten werden nach drei Jahren ersetzt. Doch damit sich ihre CO₂-Bilanz lohnt, müssten sie mindestens 25 Jahre, in manchen Szenarien sogar über 200 Jahre genutzt werden. Auch bei Laptops liegt die empfohlene Nutzungsdauer zwischen 20 und 40 Jahren, obwohl sie derzeit meist nach fünf Jahren ausgetauscht werden. Und selbst Waschmaschinen sollten aus Klimasicht 25 bis 40 Jahre in Betrieb bleiben – nicht nur zehn.
Selbst wenn neue Modelle effizienter sind, gleichen sie den CO₂-Rucksack der Herstellung kaum aus. Das umweltfreundlichste Gerät ist oft das, das du schon besitzt.

Warum nutzen wir Produkte trotzdem so kurz?
Die kurze Antwort: Weil das System es nicht zulässt. Die meisten Produkte sind nicht für Langlebigkeit gebaut. Sie sind schwer zu öffnen, kaum zu reparieren, und Ersatzteile sind teuer oder schlicht nicht verfügbar. Akkus sind verklebt. Displays nicht austauschbar. Und wenn etwas kaputtgeht, lautet die Empfehlung fast immer: Neu kaufen.
Auch Software spielt eine Rolle. Betriebssysteme entwickeln sich schneller als die Hardware mithalten kann. Geräte fühlen sich nach kurzer Zeit langsam oder inkompatibel an – obwohl sie technisch noch voll funktionsfähig wären. Gleichzeitig suggerieren Werbekampagnen, dass das neueste Modell immer die bessere Wahl sei. So entscheiden sich viele Menschen fürs Upgrade – nicht weil sie müssen, sondern weil es der bequemere Weg ist.
Was das für Marken und Hersteller bedeutet
Dieser Widerspruch zwischen Klimarealität und Produktsystem ist kein Detail – sondern eine strategische Chance.
Marken, die diesen Gap erkennen, können Vorreiter der zirkulären Wirtschaft werden. Es geht nicht nur darum, Produkte robuster zu bauen. Es geht auch darum, sie reparierbar, aufrüstbar und rücknehmbar zu machen. Wer seinen Kund:innen Alternativen zum Neukauf bietet – sei es durch Trade-In-Programme, Refurbishment-Services oder Zugang zu Ersatzteilen – baut Vertrauen auf und bindet sie langfristig.
Mit koorvi helfen wir genau dabei. Unsere Plattform ermöglicht es, Produkte zurückzunehmen, zu prüfen, aufzubereiten und wieder in Umlauf zu bringen – automatisiert, datengestützt und compliant. So wird aus Nachhaltigkeit ein Umsatztreiber.
Fazit: Entwickle so, als ob Lebensdauer zählt
Wir haben jahrelang daran gearbeitet, den Stromverbrauch unserer Geräte zu senken. Jetzt ist es Zeit, sich zu fragen: Wie lange sollen sie eigentlich halten?
Denn Lebensdauer ist Klimastrategie. Wer Emissionen reduzieren, Ressourcen sparen und wirtschaftlich zukunftsfähig sein will, muss aufhören, Produkte als Wegwerfware zu behandeln. Die Daten sind eindeutig: Das nachhaltigste Produkt ist das, das schon existiert.
👉 Du willst eine Strategie für Produkte, die länger halten – und nach dem ersten Verkauf mehr können? Lass uns sprechen.



