Zusammenfassung

Die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur (2024/1799), gültig ab dem 30. Juli 2024, stärkt das Recht auf Reparatur, verlängert Produktlebenszyklen und fördert die Kreislaufwirtschaft. Sie verändert die Erwartungen an Hersteller, Händler und Verbraucher:innen durch klare Reparaturpflichten, Transparenz und fairen Zugang zu Ersatzteilen und Reparaturdiensten.
Nahaufnahme einer Person, die ein auseinandergenommenes Smartphone auf einer weißen Werkbank repariert, umgeben von feinen Werkzeugen, Schrauben und einem separierten Display – bei weichem Tageslicht.

Was ist die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur – und warum ist sie so wichtig?

Die Richtlinie verpflichtet Hersteller dazu, bestimmte Produkte auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung fair und zügig zu reparieren. Verbraucher:innen dürfen selbst entscheiden, wo sie reparieren lassen, und Hersteller müssen Ersatzteile und technische Informationen zu fairen Preisen bereitstellen. So entsteht ein transparenterer, nachhaltigerer Reparaturmarkt.

Welche Rechte und Pflichten gelten laut Richtlinie?

  • Reparaturpflicht: Hersteller müssen Produkte gemäß Anhang II – z. B. Waschmaschinen, Kühlschränke, Smartphones und Tablets – innerhalb angemessener Fristen und zu fairen Preisen reparieren.
  • Wahlfreiheit: Verbraucher:innen können frei wählen, ob sie den Herstellerservice oder eine unabhängige Werkstatt nutzen – ohne Garantieverlust.
  • Zugang zu Informationen: Hersteller müssen unabhängigen Werkstätten technische Unterlagen und Ersatzteile zu fairen Bedingungen zur Verfügung stellen.
  • Transparenz: Preise und Reparaturinformationen müssen online einsehbar sein. Vor jeder Reparatur gibt es ein standardisiertes Informationsblatt.
  • Verlängerung der Garantie: Erfolgt die Reparatur im Rahmen der gesetzlichen Gewährleistung, verlängert sich diese automatisch um ein Jahr.
  • Produktumfang & Ersatzteile: Aktuell gilt die Regelung für bestimmte Haushaltsgeräte und Elektronikprodukte. Ersatzteile müssen bereitgestellt und Software-/Hardware-Blockaden vermieden werden.
  • Refurbished-Optionen: Ist eine Reparatur nicht möglich, darf ein gleichwertiges, generalüberholtes Produkt angeboten werden.

Was bedeutet das für Hersteller und Händler?

Hersteller und Händler müssen Reparaturdienste bereitstellen, transparent kommunizieren und mit Drittwerkstätten kooperieren. Das bringt Umstellungsaufwand – aber auch Potenzial: Wer jetzt in zirkuläre Geschäftsmodelle investiert, stärkt Kundenbindung, schafft Differenzierung und erschließt neue Einnahmequellen.

Zeitplan & Fristen

  • Verabschiedet: 13. Juni 2024
  • Gültig: ab 30. Juli 2024
  • Umsetzungsfrist in den Mitgliedsstaaten: bis Juli 2026
  • EU-weite Reparaturplattform: ab Juli 2027 online

Warum lohnt sich Reparatur auch wirtschaftlich?

Reparatur- und Rücknahmeprogramme senken Entsorgungskosten, schaffen neue Erlösmodelle und stärken die Beziehung zur Kundschaft. Jedes verlängerte Produktleben spart Ressourcen und CO₂ – und reduziert Abhängigkeiten von Neuproduktion.

Wie können Marken erfolgreiche Rücknahme- und Reparaturprogramme umsetzen?

Mit integrierten Plattformen für Rücknahme, Reparatur und Wiederverkauf kannst Du zirkuläre Prozesse effizient abbilden. Automatisierte Systeme sichern Transparenz, Teileverfügbarkeit und Rechtskonformität. Lösungen wie koorvis Resale-as-a-Service helfen Dir dabei, Kreislaufwirtschaft einfach umzusetzen.

Welche Rolle spielt die EU-Reparaturplattform?

Die neue Plattform, die ab Juli 2027 online geht, hilft Verbraucher:innen, Reparaturdienste und generalüberholte Produkte in ihrer Nähe zu finden. Das senkt Hürden, schafft Vertrauen – und bringt die Kreislaufwirtschaft in den Mainstream.

Compliance als Wettbewerbsvorteil nutzen

Die EU-Richtlinie stärkt nicht nur Verbraucherrechte, sondern öffnet auch die Tür für neue Geschäftsmodelle rund um Reparatur, Refurbishment und Wiederverkauf. Wer früh auf zirkuläre Lösungen setzt, kann nicht nur nachhaltiger, sondern auch profitabler wirtschaften.

➡️ Mach den Circularity Check von koorvi und finde heraus, wie zirkulär Dein Unternehmen schon heute ist.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur und wann tritt sie in Kraft?

Die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur ist eine am 13. Juni 2024 verabschiedete und ab 30. Juli 2024 gültige Gesetzgebung, die Hersteller verpflichtet, gelistete Produkte fair und zeitnah zu reparieren – auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung. Die Richtlinie gibt Verbraucher:innen die Freiheit, jede Reparaturwerkstatt zu wählen, ohne die Garantie zu verlieren, und verpflichtet Hersteller, Ersatzteile und Reparaturinformationen zu fairen Preisen bereitzustellen. Die nationale Umsetzung muss bis Juli 2026 abgeschlossen sein; im Juli 2027 startet eine EU-weite Online-Plattform, die Verbraucher:innen hilft, Reparaturdienste und Anbieter aufbereiteter Waren zu finden und Reparatur sowie Wiederverwendung über alle Mitgliedstaaten hinweg zugänglicher macht.

Welche Produkte fallen unter die EU-Reparatur-Richtlinie und welche Pflichten haben Hersteller?

Die Richtlinie umfasst derzeit Produkte aus Anhang II, darunter Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke sowie Smartphones und Tablets. Hersteller müssen diese Produkte in angemessenen Zeiträumen und zu fairen Kosten reparieren, Ersatzteile und technische Informationen zu fairen Preisen an Drittreparateure liefern, Reparaturpreise und Servicedetails offen online veröffentlichen, Verbraucher:innen vor Arbeitsbeginn ein standardisiertes Reparaturformular bereitstellen und die gesetzliche Gewährleistung nach erfolgter Reparatur um ein Jahr verlängern. Außerdem dürfen Hersteller keine Software- oder Hardware-Sperren nutzen, um Reparaturen zu verhindern, und müssen aufbereitete Ersatzprodukte anbieten, wenn eine Reparatur unmöglich ist.

Wie stärkt die EU-Reparatur-Richtlinie Verbraucher:innen und welche neuen Möglichkeiten eröffnet sie?

Die Richtlinie verschiebt grundlegend die Verbraucherrechte, indem sie die freie Wahl jeder Reparaturwerkstatt ermöglicht – ob vom Hersteller betrieben oder unabhängig – ohne Garantieverlust zu riskieren. Verbraucher:innen erhalten transparente Preisgestaltung durch öffentlich einsehbare Reparaturkosten und Servicedetails, standardisierte Reparaturinformationen vor Arbeitsbeginn für fundierte Entscheidungen, Garantieverlängerungen um ein Jahr nach erfolgten Reparaturen für längeren Produktschutz sowie Zugang zu einem breiteren Netzwerk qualifizierter Reparaturbetriebe durch Anforderungen zu technischen Informationen und Ersatzteilverfügbarkeit. Ab Juli 2027 vereinfacht die EU-Online-Plattform zusätzlich das Auffinden lokaler Reparaturdienste und Anbieter aufbereiteter Produkte, wodurch nachhaltige Konsumentscheidungen einfacher und zugänglicher werden.

Welche Potentiale eröffnet die Reparatur-Richtlinie für Hersteller und Händler?

Obwohl die Richtlinie neue Compliance-Anforderungen stellt, eröffnet sie gleichzeitig erhebliche Geschäftsmöglichkeiten in Kreislaufwirtschaftsmodellen. Hersteller können neue Umsatzströme durch zertifizierte Reparaturdienste und Ersatzteilverkauf entwickeln, stärkere Kundenbeziehungen durch laufende Service-Touchpoints über den Erstkauf hinaus aufbauen, ihre Marke als Nachhaltigkeitsführer in zunehmend umweltbewussten Märkten differenzieren, Abfallmanagementkosten durch längere Produktnutzung senken und potenziell neue Kundensegmente ansprechen, die Reparierbarkeit und Langlebigkeit schätzen. Händler können Reparaturservice-Partnerschaften etablieren, verlängerte Garantien mit Zuversicht anbieten und Verkauf aufbereiteter Produkte in bestehende Kanäle integrieren, wodurch regulatorische Compliance zum Wettbewerbsvorteil wird.

Wie können Unternehmen konforme Reparatur- und Kreislaufmodelle effizient umsetzen?

Die erfolgreiche Umsetzung von Reparatur- und Kreislaufprogrammen erfordert strategische Planung über Operations, Technologie und Kundenerlebnis hinweg. Unternehmen sollten transparente Reparaturpreise und Serviceinformationen online veröffentlichen, Partnerschaften mit qualifizierten Drittreparateuren entwickeln oder eigene Kapazitäten aufbauen, Ersatzteilverfügbarkeit und Zugänglichkeit technischer Dokumentation sicherstellen, standardisierte Prozesse für Garantieverlängerungen und Reparaturformulare schaffen sowie digitale Systeme integrieren, die Reparaturen tracken, Ersatzteilbestände verwalten und regulatorische Compliance gewährleisten. Marken können die Umsetzung beschleunigen, indem sie spezialisierte Plattformen wie koorvi nutzen, die umfassende Resale-as-a-Service-Lösungen bieten und Rücknahmeprogramme, Refurbishment-Workflows, Reparatur-Tracking sowie gebrandete Kreislaufwirtschaftskanäle effizient managen, während sie Compliance mit sich entwickelnden EU-Vorschriften sicherstellen.